Todestag meines Vaters

 Heute ist der 15. Todestag meines Vaters.


Heute ist für mich ein Tag, wie ihn sicher viele jedes Jahr haben. Der Todestag eines Elternteils. Bei mir ist es mein Vater. Heute vor 15 Jahren starb er um 22.10 Uhr. 

2 Jahre vorher ist meiner Mutter aufgefallen, dass er gelb wurde im Gesicht. Um rauszufinden was es war, ging er zum Arzt. Der schickte ihn sofort ins Krankenhaus. Erst hieß es, er hätte ein Problem mit der Gallenblase. Bei weiteren Untersuchungen wurde dann festgestellt, dass er einen Tumor an der Bauchspeicheldrüse hat. 

Als ich dies hörte, war mir klar, was das bedeutet. An der Bauchspeicheldrüse wird meist nicht viel zu machen sein. 

Am nächsten morgen im Büro merkte meine ältere Kollegin, dass etwas los war. Als ich ihr sagte was los war, kamen mir die Tränen. Meine jüngere Kollegin ging aus dem Büro. 

Auch wenn mein Arbeitsplatz ein Ort war, wo ich alles unter Kontrolle hatte, auch mich. Aber das war mir in dem Moment auch nicht peinlich. 

OP und Reha

Mein Vater sollte dann in die Uniklinik Köln. Dort wurde er erst mal wieder untersucht und dann operiert. Die OP dauerte mehrere Stunden. Ich glaube 5-6 Stunden. 

Meinem Vater wurde ein Teil der Bauchspeicheldrüse entfernt, die Gallenblase,  und ein Teil des Dünndarms. So sollte vermieden werden, dass sich da wieder was entwickelt. Auch eine Reha folgte. 

Es hieß dann, abwarten. Leider war die Hoffnung vergebens. Denn auf der anderen Seite des Körpers entstanden Metastasen an Leber und Niere. Da der Körper noch so eine schwere OP nicht überstehen hätte, konnten die Ärzte nur mit Chemo vorgehen. Das wurde im Krankenhaus Düren gemacht. Es ging 1 Jahr so. Aber mein Vater ging trotzdem noch Arbeiten. Er war selbstständig mit einem Hausmeisterservice und machte so meist Elektro arbeiten (er war Elektriker) aber auch andere Kleinigkeiten, die er sich über die Jahre angeeignet hatte. Er war so ein Mensch, was er nicht konnte, probierte er trotzdem. Und meist gelang ihm auch alles. :-)

Aber Ende Juni begab er sich ins Krankenhaus, weil er Wasser in den Beinen und im Bauch hatte. Das war nicht das erste mal. Er ging ins Krankenhaus, um es wegmachen zu lassen. Er ist also selber mit seinem Wagen dahin gefahren und stellte ihn in eine Seitenstraße. Ich glaube Freitags ist er hin gefahren. Sonntags bekam meine Mutter einen Anruf von der Ärztin, wir sollen ins Krankenhaus kommen. Das bedeutete schon nichts Gutes. 

Sie sagte uns dann, dass mein Vater nicht mehr lange leben wird. Die können nichts mehr für ihn tun. Ich fühlte mich in dem Moment total leer. Alles um mich rum, war halt da, ich registrierte alles, aber trotzdem war das alles irgendwie ohne mein Zutun. Egal was. Meine Mutter gingen zu meinem Vater. Ich denke er wusste es da noch nicht. Er war noch recht normal. 

Am nächsten Tag, Montag, war er auch noch normal. Meine Mutter ging dann mal raus aus dem Zimmer weil sie mit einem Arzt reden wollte. Mein Vater wollte dann mit mir über seine Beerdigung es. Also wusste er es. Er fing ganz sachlich an. Aber ich hatte natürlich kein Interesse, mit ihm darüber zu reden. Ich legte dies mit einem Witz ab. Ich sagte, "Wir verbuddeln dich unten im Park und gut ist."
Er lachte. Dann kam meine Mutter wieder rein.  

Am nächsten Tag war nur teilweise ansprechbar. Er schlief meist. Ich musste nicht fragen, mir war klar, er bekam schon Morphium. Mal war er wach, mal schlief er wieder ein als wir da waren. 

Mittwoch schlief er fast nur noch. Ein Pfleger kam rein und sah nach ob alles in Ordnung war. Er bewegte meinen Vater und davon wurde er wach. Er wirkte erschrocken. Und sauer, weil man ihn geweckt hatte. 

Donnerstag schlief er durchgehend. Am Abend telefonierte ich mit meiner damaligen besten Freundin. Dann rief mich meine Mutter auf dem Festnetz an und sagte mir, dass mein Vater gestorben ist. Das Krankenhaus hat angerufen. Wir konnten noch mal ihn und ihn sehen. Er wird entsprechend vorbereitet. 

Als wir in sein Zimmer kamen, lag mein Vater in seinem Bett. Die Hände waren unterhalb der Brust gefaltet. Sein Gesicht war dunkel, also er ist offenbar geschminkt worden. Er sah aus als käme er grade aus dem Urlaub. 

Als wir später aus dem Zimmer gingen, drehte sich meine Mutter zur wand, schlug dagegen und heulte. Ich sah mir das nur regungslos an. Ich war emotional gesehen wie gelähmt. Wir fuhren wieder nach hause, ich stellte meinen Wagen in die Garage, ging noch mal zu meiner Mutter in die Wohnung, sie verkniff sich das Heulen nur schwer. Ich war nach wie vor irgendwie emotionslos. Das liegt vielleicht auch daran das ich schon immer so war, dass ich keine Emotionen zeigen will. Vielleicht kam das vom Kampfsport. Da habe ich auch nie gezeigt, wenn etwas weh tag. 

Ich ging dann rüber in meine Wohnung. setzte mich auf den Sessel, machte den Fernseher an, und dann kamen auch bei mir die Tränen..............

Danke Papa, für alles

Was ich meinem Vater und auch meiner Mutter, nie gesagt habe, ich bin ihnen dankbar für alles. Sicher war ich auch oft genervt von meinen Eltern. Welches Kind ist das nicht? :-)

Aber alles in allem, haben meine Eltern mir doch Dinge ermöglich, die viele andere nicht hatten. Ich rede jetzt nicht von nem Spielzeug. Sondern vom Allgemeinen. Ich bin Betriebswirt, hatte ein Geschäft für Heimtierbedarf, ich hatte mein erstes Auto schon mit 17 auf dem Hof stehen, was ich benutzen konnte. Natürlich nur auf dem Hof. :-) Und andere Dinge, haben sie ermöglicht. Lernen musste ich natürlich selber. Aber das ich es bis dahin geschafft habe, lag auch an kleinen Dingen, die mir meine Eltern ermöglicht hatten. 

Bei der Erziehung haben sie nicht alles richtig gemacht, aber dennoch haben sie etwas Anständiges aus mir gemacht. Es gibt Schlimmere als mich. :-) 

Früher war es bei uns nicht üblich, dass wir herzlich  und so, zueinander waren. Es war immer alles sachlich. Anständig, aber emotionslos. 

Heute würde ich meinem Vater aber gerne sagen, dass ich ihm und auch meiner Mutter dankbar bin für alles. Aber jetzt ist es leider nicht mehr möglich. Schade, dass man zu solchen Dingen erst hingerissen wird, wenn es nicht mehr geht..........................


Meine Eltern 1967 bei ihrer Hochzeit


Papa, das hier ist für dich




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